Infinitivsätze mit gleichem Subjekt
B1Was sind Infinitivsätze mit gleichem Subjekt?
Ein Infinitivsatz (italienisch: proposizione infinitiva) ist ein Nebensatz, dessen Verb im Infinitiv steht. Von «Infinitivsätzen mit gleichem Subjekt» sprechen wir, wenn das Subjekt des Hauptsatzes und das (unausgesprochene) Subjekt des Infinitivsatzes dieselbe Person ist. Der Infinitiv hat keine eigene Personendung, deshalb wird das Subjekt nicht wiederholt, sondern aus dem Kontext verstanden.
Beispiele (Italienisch → Deutsch):
- "Voglio partire domani." → "Ich will morgen abreisen." (Subjekt: io — in beiden Teilen)
- "Ho deciso di studiare medicina." → "Ich habe beschlossen, Medizin zu studieren." (io)
- "Sono felice di averti visto." → "Ich freue mich, dich gesehen zu haben." (io)
Wichtig: Ob ein Infinitiv mit oder ohne Präposition (z. B. di, a, per) steht, hängt nicht nur vom Subjekt ab, sondern vor allem vom regierenden Verb, Adjektiv oder Substantiv. Trotzdem ist die Unterscheidung „gleiches Subjekt vs. anderes Subjekt“ zentral für die Wahl zwischen Infinitiv und anderen Konstruktionen (z. B. che + congiuntivo).
Wann verwende ich einen Infinitivsatz (mit gleichem Subjekt)?
Du benutzt einen Infinitivsatz mit gleichem Subjekt in vielen alltäglichen Situationen, z. B.:
- bei Wünschen, Absichten, Plänen: "Voglio andare" (Ich will gehen).
- nach Modalverben: "Devo studiare" (Ich muss lernen).
- nach Verben des Wissens oder Könnens: "So nuotare" (Ich kann schwimmen / ich weiß zu schwimmen).
- nach bestimmten Adjektiven/impersonalen Wendungen: "È importante studiare" (Es ist wichtig zu lernen).
- um eine Handlung auszudrücken, die vom Subjekt selbst ausgeführt wird: "Ho iniziato a leggere" (Ich habe angefangen zu lesen).
Beispiele (Italienisch → Deutsch):
- "Posso entrare?" → "Kann ich eintreten?" (potere)
- "Preferisco rimanere a casa." → "Ich ziehe es vor, zu Hause zu bleiben." (preferire)
- "È bello viaggiare." → "Es ist schön zu reisen." (impersonal)
Wie werden Infinitivsätze gebildet? Welche Präpositionen gibt es (nichts, di, a, per)?
In Italienisch hängt die Form des Infinitivsatzes vom regierenden Wort ab. Hier sind die wichtigsten Muster mit vielen Beispielen.
Infinitiv ohne Präposition (häufig: Modalverben und ähnliche Verben)
Bei Verben wie volere, potere, dovere, sapere, preferire, amare, odiare, desiderare steht der Infinitiv in der Regel ohne Präposition — und das Subjekt ist dasselbe wie im Hauptsatz.
Beispiele:
- "Voglio mangiare adesso." → "Ich will jetzt essen."
- "Posso usare il tuo telefono?" → "Kann ich dein Telefon benutzen?"
- "Devo finire questo lavoro." → "Ich muss diese Arbeit beenden."
- "So parlare tre lingue." → "Ich kann drei Sprachen sprechen."
- "Preferisco restare qui." → "Ich bleibe lieber hier."
Hinweis: Manche dieser Verben haben auch alternative Konstruktionen (z. B. „desiderare“ kann mit „di“ stehen: "Desidero andare" ist normal; "Desidero di andare" ist falsch). Verwende die Standardform ohne Präposition.
Infinitiv mit "di"
Viele Verben fordern die Präposition di vor dem Infinitiv. Beispiele sind: decidere, chiedere (in manchen Konstruktionen), cercare di, tentare di, ricordarsi (di), dimenticarsi (di), promettere (di), finire (di), smettere (di), sperare (di), temere (di).
Beispiele:
- "Ho deciso di partire domani." → "Ich habe beschlossen, morgen abzureisen."
- "Provo a studiare, ma provo anche a parlare più lentamente." — Achtung: "provare" verlangt hier "a" (siehe unten).
- "Mi sono dimenticato di chiamarti." → "Ich habe vergessen, dich anzurufen."
- "Prometto di arrivare in orario." → "Ich verspreche, pünktlich zu kommen."
- "Cercano di risparmiare." → "Sie versuchen zu sparen."
Wichtig: Es gibt keine einfache Regel, die für alle Verben gilt — man lernt, welche Verben "di" fordern.
Infinitiv mit "a"
Einige Verben verlangen die Präposition a: cominciare a, iniziare a, imparare a, mettersi a, andare a (für nahe Zukunft/Beginn), aiutare a (in manchen Fällen), provare a.
Beispiele:
- "Ho cominciato a studiare tardi." → "Ich habe spät angefangen zu lernen."
- "Impara a guidare con calma." → "Er lernt, ruhig zu fahren."
- "Vado a parlare con lui." → "Ich gehe, mit ihm zu sprechen." / auch: "Ich gehe, um mit ihm zu sprechen."
- "Ho provato a chiamarlo, ma non ha risposto." → "Ich habe versucht, ihn anzurufen, aber er hat nicht geantwortet."
Infinitiv mit "per" (Gebrauch: Zweck / für eine bestimmte Person bei impersonalem Ausdruck)
"Per" drückt oft Zweck aus: "Vado in palestra per allenarmi" (Ich gehe ins Fitnessstudio, um zu trainieren). Bei impersonalen Ausdrücken kann "per + Person + Infinitiv" verwendet werden, um eine konkrete Person als Subjekt des Infinitivs zu markieren (wenn man nicht den Konjunktiv verwenden will):
- "È importante per me studiare ora." → "Es ist wichtig für mich, jetzt zu lernen."
- "Ho tempo per leggere questo libro." → "Ich habe Zeit, dieses Buch zu lesen."
Vergleich mit "che + congiuntivo"
Wenn das Subjekt des Infinitivs eine andere Person ist als das Subjekt des Hauptsatzes, verlangt die Sprache häufig "che + congiuntivo" (s. nächster Abschnitt) — vor allem nach Verben des Wollens, der Gefühle und Bewertungen. "Per" ist nützlich, um Personen mit Impersonalen Ausdrücken zu markieren, aber häufig ist "che + congiuntivo" die korrektere Wahl, wenn es um Forderungen, Wünsche oder Notwendigkeiten geht.
Was ändert sich, wenn das Subjekt verschieden ist? (che + congiuntivo vs. di + infinitiv vs. altre soluzioni)
Der kritischste Punkt beim Infinitiv ist: Wer führt die Handlung im Infinitiv aus? Bei gleichem Subjekt ist der Infinitiv normal; bei unterschiedlichem Subjekt kommt meist eine andere Struktur zum Einsatz.
1) Subjekt verschieden → oft: che + congiuntivo
Viele Verben des Wollens, der Gefühle, der Bewertung und manche impersonal Ausdrücke verlangen „che + congiuntivo“, wenn das Subjekt der Nebensache nicht mit dem Subjekt des Hauptsatzes übereinstimmt.
- "Voglio che tu venga." → "Ich möchte, dass du kommst." (nicht: *"Voglio tu venire")
- "Temo che lui non sappia la verità." → "Ich fürchte, dass er die Wahrheit nicht weiß."
- "È importante che studiate." → "Es ist wichtig, dass ihr lernt."
2) Subjekt verschieden → alternative: Verb + a/di + Infinitiv mit vorherigem Objekt-/Dativpronomen
Bestimmte Verben (dire, chiedere, ordinare, consigliare, raccomandare, pregare) verwenden die Konstruktion "dire/chiedere/ordinare a qualcuno di + Infinitiv".
- "Ho detto a Marco di partire." → "Ich habe Marco gesagt, er soll abreisen." (Marco ist Subjekt des Infinitivs)
- "Le ho chiesto di aiutarmi." → "Ich habe sie gebeten, mir zu helfen." (lei ist Subjekt des Infinitivs)
Diese Konstruktion ist sehr nützlich, weil sie erlaubt, das Subjekt des Infinitivs durch ein Dativ- oder Akkusativpronomen bzw. durch ein Nomen vor dem "di + Infinitiv" auszudrücken.
3) Subjekt verschieden → causative Konstruktion mit "fare"
Manchmal wird für jemanden, dass er etwas tut, die Kausativkonstruktion mit "fare" benutzt:
- "Voglio che lui parta." → "Ich will, dass er abreist." Alternativ: "Voglio farlo partire." → "Ich möchte ihn dazu bringen/lassen abzureisen." ("far + jemand + Infinitiv")
Die Konstruktion mit "fare" ändert aber die Bedeutung leicht: sie kann „jemanden veranlassen/zu etwas bringen“ ausdrücken.
4) Wahrnehmungsverben (sentire, vedere, ascoltare) — Sonderfall
Diese Verben erlauben oft direkt eine Struktur mit Infinitiv, wobei das Objekt des Hauptverbs zugleich Subjekt des Infinitivs ist:
- "Ho visto Giulia uscire." → "Ich habe Giulia rausgehen sehen." (Giulia = Subjekt von "uscire")
- "Ho sentito cantare il bambino." → "Ich habe das Kind singen hören."
Das ist ein Fall, in dem Subjekt des Infinitivs ausdrücklich als Objekt des Hauptsatzes auftritt.
Infinito passato (Perfekt des Infinitivs) — wann und wie?
Das infinito passato (vergangenheitsbezogener Infinitiv) wird gebildet mit "avere/essere + participio passato". Du benutzt es, wenn die im Infinitiv ausgedrückte Handlung zeitlich vor der Handlung des Hauptsatzes liegt.
Beispiele:
- "Sono felice di averti conosciuto." → "Ich freue mich, dich kennengelernt zu haben." (das Kennenlernen liegt vor dem Jetzt)
- "Mi dispiace di non essere venuto." → "Es tut mir leid, nicht gekommen zu sein." (das Nichtkommen liegt vor dem Zeitpunkt des Sprechens)
- "Spero di aver fatto la cosa giusta." → "Ich hoffe, das Richtige getan zu haben."
Wahl von avere/essere: wie bei zusammengesetzten Zeiten: transitiven Verben meist mit avere; intransitiven Bewegungsverben und reflexiven Verben mit essere.
Stellung der Objekt- und Reflexivpronomen beim Infinitiv
Bei Infinitiven können Objekt- oder Reflexivpronomen entweder vor dem konjugierten Verb stehen oder an den Infinitiv angehängt werden. Beide Optionen sind oft möglich (Stilunterschied):
Beispiele:
- "Lo voglio vedere." / "Voglio vederlo." → "Ich will ihn sehen."
- "Mi devo alzare presto." / "Devo alzarmi presto." → "Ich muss früh aufstehen."
- Negation: "Non lo voglio fare." / "Non voglio farlo." → beide korrekt.
Achtung: Wenn du das Pronomen an den Infinitiv anhängst, bleibt die Stellung des Infinitivs eine Einheit: "Voglio farlo" ist gängiger als *"Voglio lo fare".
Reflexive Infinitive
Reflexive Verben verhalten sich genauso: Reflexivpronomen werden angehängt oder stehen vor dem konjugierten Verb.
- "Devo vestirmi." / "Mi devo vestire." → "Ich muss mich anziehen."
- "Ho deciso di pettinarmi prima di uscire." → "Ich habe beschlossen, mich zu kämmen, bevor ich ausgehe."
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- Fehler: "Voglio che io parta" anstelle von "Voglio partire" (wenn Subjekt gleich). Korrektur: Wenn das Subjekt identisch ist, benutze gewöhnlich den Infinitiv: "Voglio partire." Die Variante mit "che + congiuntivo" und dem gleichen Subjekt ist möglich, klingt aber unnötig und betont eher.
- Fehler: "Ho cominciato di studiare." Korrektur: "Ho cominciato a studiare." ("cominciare" verlangt "a")
- Fehler: "Voglio lui venire." Korrektur: "Voglio che lui venga." oder "Voglio farlo venire." (Subjekt unterschiedlich → che + congiuntivo oder Konstruktion mit "fare").
- Fehler: "Spero che io venire." Korrektur: "Spero di venire." (wenn Subjekt gleich → "di + infinito" oder einfach Infinitiv nach "sperare"; wenn fremdes Subjekt → "Spero che tu venga")
- Fehler: falsche Wahl von avere/essere im infinito passato: immer wie bei zusammengesetzten Zeiten unterscheiden (es. "essere" mit verbi di movimento: "Sono felice di essere venuto").
Kurzer Vergleich mit dem Deutschen
- Deutsch: viele Konstruktionen mit "zu + Infinitiv" entsprechen im Italienischen oft "di + infinito" oder "a + infinito" oder keinem Wort. Beispiel: "Ich habe beschlossen, zu gehen." → "Ho deciso di partire."
- Deutsch benutzt "dass"-Sätze: "Ich möchte, dass du kommst." → Italienisch: "Voglio che tu venga." (che + congiuntivo)
- Deutsch: "für mich zu ..." → Italienisch: "per me ..." oder "di/che" je nach Konstruktion: "Es ist wichtig, dass du lernst." → "È importante che tu studi."; "Es ist wichtig zu lernen." → "È importante studiare."
Fazit: Im Deutschen ist die Präsenz von "zu" oft einheitlicher; im Italienischen entscheidet das regierende Verb, ob „di“, „a“, „per“ oder gar keine Präposition erscheint.
Glossar (kurz)
Infinitiv (infinito): Verbform ohne Person/Tempus-Endung (z. B. mangiare, partire, vedere).
Infinito passato: zusammengesetzter Infinitiv (avere/essere + Partizip): "aver visto", "essere partito".
Congiuntivo: italienischer Konjunktiv (verwendet nach "che" bei Wünschen, Zweifel, Emotionen).
Clitische Pronomen: Objekt- oder Reflexivpronomen, die an das Verb angehängt oder davor gestellt werden können (mi, ti, lo, la, ci, vi, li, le).
Regierendes Verb: das Verb im Hauptsatz, das den Infinitivsatz verlangt und entscheidet, ob "di/a/per/kein Präpos." benutzt wird.
Zusammenfassung – die wichtigsten Regeln kurz
- Wenn Subjekt von Hauptsatz und Infinitiv gleich ist, wird oft ein Infinitivsatz verwendet.
- Ob der Infinitiv mit di, a, per oder ohne Präposition steht, bestimmt das regierende Verb/Adjektiv/Substantiv.
- Wenn das Subjekt verschieden ist, braucht man meist "che + congiuntivo" oder Konstruktionen wie "dire/chiedere a qualcuno di + inf." oder die Kausativkonstruktion mit "fare".
- Verwende das infinito passato, wenn die Infinitivhandlung vor der Hauptsatzhandlung liegt.
- Achte auf die Stellung der clitischen Pronomen: vor dem konjugierten Verb oder angehängt an den Infinitiv.
Viel Erfolg beim Üben! Das Erkennen des Subjekts ist der Schlüssel: frage dich immer "Wer führt die Handlung des Infinitivs aus?" — dadurch wählst du die richtige Konstruktion.