Nominalisierung von Sätzen (Verwendung von Nomen für abstrakte Ideen)

C1

Nominalisierung von Sätzen (Verwendung von Nomen für abstrakte Ideen)

Nominalisierung bedeutet, dass eine Handlung, ein Zustand oder eine ganze Aussage als Nomen bzw. Nominalphrase ausgedrückt wird. Bei der Nominalisierung von Sätzen verwandelt man also Inhalte, die normalerweise in einem Verb oder Nebensatz stehen, in Substantive oder Nominalgruppen. Ziel ist häufig, eine abstrakte Idee, ein Ereignis oder ein Ergebnis zu benennen: statt "dass er kommt" sagt man z. B. "sein Kommen" oder "die Tatsache, dass er kommt".

Was ist der Zweck der Nominalisierung und wann benutze ich sie?

Nominalisierung wird vor allem verwendet:

- in formellen Texten (Wissenschaft, Verwaltung, Zeitungsartikel), weil sie präzise Sachverhalte als Begriffe fassen kann (Nominalstil);
- wenn man eine Handlung oder einen Sachverhalt als Ding oder Konzept betrachten will: "das Lesen", "die Entscheidung";
- um Sätze kürzer zu strukturieren oder bestimmte Teile hervorzuheben (z. B. Thema/Fokusverschiebung);
- beim Ersatz ganzer Nebensätze durch Nomen + Nebensatz („die Tatsache, dass …", „die Frage, ob …").

Beispiel (Verbalstil vs. Nominalstil):
- Verbalstil: "Die Kommission hat entschieden, das Projekt zu stoppen." (direkt, aktiv)
- Nominalstil: "Die Entscheidung der Kommission, das Projekt zu stoppen, war umstritten." (Nominalisierung: Entscheidung)

Hinweis: Zu viele Nominalisierungen machen einen Text schwerfällig. Im Alltag ist oft die Verbform klarer und natürlicher.

Wie bilde ich Nominalisierungen? (Übersicht der wichtigsten Formen)

Substantivierte Infinitive (das Lesen, das Kommen)

Was ist das?
Ein Infinitiv (Grundform eines Verbs) wird mit Artikel oder Possessivpronomen wie ein Nomen benutzt und großgeschrieben.

Regeln und Beispiele
- Grundform: "lesen" → Nominalisierung: "das Lesen".
- "Das Lesen verbessert den Wortschatz." (Reading improves vocabulary.)
- "Beim Lesen des Buches bemerkte ich einen Fehler." (While reading the book, I noticed a mistake.)
- Mit Possessivpronomen: "sein Kommen überraschte uns." (His coming surprised us.)
- Objekt des Verbs als Genitiv oder mit "von": "Das Lesen des Buches war interessant." / "Das Lesen von diesem Buch war interessant."

Hinweis
Substantivierte Infinitive sind normalerweise neutral (das Lesen). In Verbindung mit Personen benutzt man oft Possessivpronomen (sein Kommen) oder die Konstruktion "das Kommen von ...".

Nebensätze als Nominalphrasen: 'Dass'-Sätze direkt verwenden

Was ist das?
Ein Nebensatz mit "dass" kann als Subjekt oder Objekt auftreten – er bleibt grammatisch ein Satz, übernimmt aber die Rolle einer Nominalphrase.

Beispiele
- Subjekt: "Dass du kommst, freut mich." (That you are coming pleases me.)
- Objekt: "Ich finde es gut, dass du bleibst." oder umgestellt: "Dass du bleibst, finde ich gut."

Stil
Die Variante mit dem einleitenden "es" ist im gesprochenen und geschriebenen Deutsch oft natürlicher: "Es freut mich, dass du kommst." Die reine Nebensatz-Variante klingt formeller oder betonter.

Nomen + dass-Konstruktion ("die Tatsache, dass…", "die Hoffnung, dass…")

Was ist das?
Man benutzt ein Nomen, das die Art der Aussage benennt (Tatsache, Hoffnung, Angst, Möglichkeit, Vermutung), und setzt den "dass"-Nebensatz als Ergänzung.

Beispiele
- "Die Tatsache, dass er krank ist, ist bekannt." (The fact that he is ill is known.)
- "Die Hoffnung, dass das Wetter besser wird, bleibt." (The hope that the weather will improve remains.)

Vorteil
Diese Konstruktion formalisiert die Aussage und macht sie zu einem klar abgegrenzten Gedanken: gut für Berichte und Analysen.

Fragekonstruktionen: 'die Frage, ob…'

Beispiel
- "Die Frage, ob er kommt, ist noch offen." (The question whether he will come is still open.)
- "Ich stelle die Frage, ob zusätzliche Mittel nötig sind." (I raise the question whether additional funds are necessary.)

Ableitungen (Derivationen): -ung, -nis, -heit, -keit usw.

Was ist das?
Man bildet aus Verben oder Adjektiven feste Nomen mit Suffixen. Diese Nomen bezeichnen oft das Ergebnis, den Vorgang oder einen Zustand.

Beispiele
- "entscheiden" → "die Entscheidung": "Die Entscheidung, das Projekt zu beenden, fiel gestern." (The decision to end the project was made yesterday.)
- "erkennen" → "die Erkenntnis": "Die Erkenntnis, dass das System fehlerhaft ist, änderte vieles." (The realization that the system is faulty changed a lot.)
- "sicher" → "die Sicherheit": "Die Sicherheit der Daten hat oberste Priorität." (Data security has top priority.)

Tipp
Ableitungen sind oft idiomatischer als eine wörtliche Nominalisierung mit Infinitiv. "Die Entscheidung" klingt natürlicher als "das Entscheiden" in vielen Kontexten.

Präpositionale Nominalformen: beim / zum / im ...

Beispiele
- "Beim Lesen des Berichts fiel mir ein Fehler auf." (While reading the report, I noticed a mistake.)
- "Dieses Buch ist gut zum Lesen." (This book is good for reading.)
- "Im Versuch, die Daten zu retten, gelang nichts." (In trying to save the data, nothing succeeded.)

Erläuterung
Präposition + nominalisierter Infinitiv ist eine sehr gebräuchliche Konstruktion, um Zeit, Anlass oder Zweck zu beschreiben.

Welche Regeln gelten für Großschreibung, Artikel und Fälle?

- Großschreibung: Nominalisierte Verben, Adjektive oder ganze Wortgruppen werden großgeschrieben: "das Lesen", "das Gute".
- Artikel und Genus: Substantivierte Infinitive sind meist neutral: "das Lesen". Ableitungen haben ihr eigenes Genus: "die Entscheidung" (fem.), "das Ergebnis" (neut.).
- Fälle: Wie normale Nomen können nominalisierte Formen Fälle annehmen: "Das Lesen des Buches (Gen.) war hilfreich." Wenn die Genitivform ungewohnt klingt, ist auch "das Lesen von dem Buch" bzw. "das Lesen des Buches" möglich; beide Varianten sind gebräuchlich.
- Possessivpronomen: Bei Personen wird häufig ein Possessivpronomen benutzt: "sein Kommen", "ihr Kommen". Alternativ: "das Kommen von Maria".

Wann verwende ich 'dass'-Satz, 'es'-Konstruktion oder Nominalisierung?

- "dass"-Satz direkt als Subjekt: Betonung des gesamten Sachverhalts, etwas formeller oder sehr fokussiert. Beispiel: "Dass du das geschafft hast, beeindruckt mich." (Betonung auf dem Ganzen.)
- "Es"-Konstruktion: Allgemeiner, flüssiger Satzbau, sehr gebräuchlich: "Es beeindruckt mich, dass du das geschafft hast." (keine starke Voranstellung)
- Nominalisierung (z. B. "Sein Erfolg", "die Tatsache, dass…"): Wenn man das Ereignis als Begriff behandelt, z. B. um zu analysieren oder zu kommentieren: "Sein Erfolg ist bemerkenswert." oder "Die Tatsache, dass er erfolgreich war, ist bemerkenswert."

Wahlkriterium: Stil (informell vs. formell), Fokus (Betonung des Ereignisses vs. der Tatsache) und Lesbarkeit. Nominalisierungen eignen sich gut für Überschriften, Zusammenfassungen oder formale Berichte.

Häufige Fehler bei Nominalisierungen und wie man sie vermeidet

1) Fehlende Großschreibung
- Fehler: "das lesen war spannend." → Richtig: "Das Lesen war spannend." (Nomen werden großgeschrieben.)

2) Verwechslung von "das" und "dass"
- "das" = Artikel oder Relativpronomen; "dass" = Konjunktion, die Nebensätze einleitet.
- Falsch: "Ich weiß das er kommt." → Richtig: "Ich weiß, dass er kommt." oder "Das Haus, das groß ist, ..."

3) Unnatürliche oder unnötige Nominalisierungen (zu viel Nominalstil)


  • Schwer verständlich: "Die Durchführung der Analyse des Problems erfolgte zeitnah." → Besser: "Wir haben das Problem schnell analysiert."

4) Falsche Fälle bei nominalisierten Verben mit Objekt


  • Besser: "Das Lesen des Buches" (Genitiv) statt "Das Lesen den Buches".

5) Ungeeignete Umformung von Nebensätzen in Nominalphrasen


  • Nicht jeder Nebensatz lässt sich natürlich in ein einzelnes Nomen verwandeln. Manchmal sind Umformulierungen umständlich oder unidiomatisch.

  • Unnatürlich: "Sein Nichthelfen war klar." → Besser: "Dass er nicht geholfen hat, war klar." oder "Sein Nicht-Handeln war offensichtlich." (je nach Kontext)

Viele Beispiele nach Typen (jeweils mit kurzer Übersetzung)

Substantivierte Infinitive
  • "Das Lesen hilft dir, neue Wörter zu lernen." (Reading helps you learn new words.)
  • "Beim Lesen des Vertrags sollten Fehler notiert werden." (When reading the contract, errors should be noted.)
  • "Sein Kommen wurde erwartet." (His coming was expected.)
Nebensatz als Subjekt / Objekt ('dass')
  • "Dass er die Prüfung bestanden hat, freut uns." (That he passed the exam pleases us.)
  • "Ich hoffe, dass du bald ankommst." (I hope that you arrive soon.)
Nomen + 'dass'-Konstruktion
  • "Die Befürchtung, dass das System versagt, war groß." (The fear that the system would fail was great.)
  • "Die Annahme, dass genug Geld vorhanden sei, stellte sich als falsch heraus." (The assumption that enough money was available proved false.)
Fragekonstruktion mit 'ob'
  • "Die Frage, ob der Vertrag unterschrieben wird, ist noch offen." (The question whether the contract will be signed is still open.)
Ableitungen (-ung, -nis, -heit, -keit)
  • "Die Entscheidung, die Arbeit zu beenden, war schwierig." (The decision to finish the work was difficult.)
  • "Die Erkenntnis, dass wir einen Fehler machten, kam spät." (The realization that we made a mistake came late.)
Präpositionale Nominalformen
  • "Beim Versuch, ihn zu erreichen, rief ich viele Leute an." (In trying to reach him, I called many people.)
  • "Ein guter Platz zum Lesen ist am Fenster." (A good place for reading is by the window.)
Passende Umformungen: Nebensatz → Nominalisierung
  • "Die Regierung hat beschlossen, die Steuer zu erhöhen." → "Die Entscheidung der Regierung, die Steuer zu erhöhen, stieß auf Kritik." (The government's decision to raise the tax met with criticism.)
  • "Er hofft, die Prüfung zu bestehen." → "Seine Hoffnung, die Prüfung zu bestehen, ist groß." (His hope of passing the exam is great.)

Kurze Zusammenfassung und Tipps für Lernende

- Nominalisierung macht Handlungen und Aussagen zu Begriffen: "lesen" → "das Lesen"; "er hat gesagt, dass…" → "die Aussage, dass…".
- Verwende Nominalisierungen sparsam: Sie sind nützlich in formellen und analytischen Texten, aber zu viele machen Texte schwerverständlich.
- Achte auf Großschreibung, Artikel und Fälle ("das Lesen", "die Entscheidung", "das Kommen von Maria" oder "Marias Kommen").
- Wenn du unsicher bist, frage: Ist die Aussage ein Gegenstand oder ein Vorgang, den ich benennen will? Wenn ja, nominalisiere. Andernfalls ist die Verbform oft klarer.

Glossar (kurz)</b]

- Nominalisierung / Substantivierung: Umwandlung einer anderen Wortart (Verb, Adjektiv, Nebensatz) in ein Nomen.
- Infinitiv: Grundform des Verbs, z. B. "lesen".
- Nebensatz ("dass"-Satz): Ein Satzteil, der nicht alleine stehen kann und meistens durch "dass", "ob" usw. eingeleitet wird.
- Nominalstil: Schreibstil, der viele Nomen und Nominalisierungen verwendet; formal, aber oft schwerfällig.


Viel Erfolg beim Üben der Nominalisierungen! Wenn du möchtest, kann ich einzelne Sätze umformulieren (Verb → Nominalstil oder umgekehrt) und die Unterschiede erklären.

Subscribe for evidence based language learning insights.

Lingua Fortis
Copyright © 2025 Lingua Fortis | Made in New York